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Moritz Meier (BVG): Haltung ist hot, Regenbogenkiez & die Marke als positives Vorurteil

narrative now by getpress

Für die einen ist sie der lustigste Unternehmensaccount Deutschlands, für die anderen der Grund, warum sie heute Morgen zu spät zur Arbeit kamen. Wie kommuniziert man für eine Marke, die beides gleichzeitig ist – Popkultur und kritische Infrastruktur?

In dieser narrative now Episode spricht Host Max mit Moritz Meier, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der BVG. Sein Weg dorthin führt über den Zivildienst in der Psychiatrie, das Reeperbahn Festival, zehn Jahre Viva con Agua und Betterplace. ÖPNV kommt darin nicht vor, und genau deshalb wurde er geholt: für einen neuen Blick auf die Kommunikation von Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen mit 16.500 Beschäftigten. Gemeinsam schauen Max und Moritz hinter die Kulissen einer Marke, die mit „Weil wir dich lieben“ vor zehn Jahren Selbstironie zur Strategie gemacht hat – und bis heute damit durchkommt, während die Deutsche Bahn mit ihrer Anke-Engelke-Kampagne gerade erlebt hat, wie derselbe Ansatz nach hinten losgehen kann.

Im Zentrum steht ein Spannungsfeld, das viele Kommunikationsverantwortliche kennen: Wie viel Freiheit verträgt mutige Kommunikation – und wie viel Kontrolle braucht sie? Moritz beschreibt ein System aus bewusst gewährter Freiheit und klaren Eskalationsstufen: Das Marketing gibt fast alles frei, erst bei politischen Themen kommt die Unternehmenskommunikation ins Spiel. Dahinter steckt eine Überzeugung: Die BVG steht als Marke da, wo sie steht, weil Menschen mutig genug waren, diese Freiheit zu geben, und weil sie sie bis heute nicht zurücknehmen.

Gleichzeitig zeigt die Folge, was Haltung konkret bedeutet, wenn ein Unternehmen dem Land Berlin gehört: die Umbenennung des Nollendorfplatzes in „Nollendorfplatz im Regenbogenkiez“, der Inklusionsbus beim CSD, das Motto „Haltung ist hot“ – aber auch kritische Anfragen aus dem Abgeordnetenhaus, die genau dieses Engagement ausbremsen sollen. Moritz erklärt, warum Haltung für ihn nicht Parteipolitik heißt, wie die BVG Diversität nach innen kommuniziert und was Marken jeder Größe daraus mitnehmen können. Inklusive der Definition, die hängen bleibt: Eine Marke ist ein positives Vorurteil.

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auf:

In a nutshell

  • Eine Marke ist ein positives Vorurteil Moritz' Definition guter Markenführung: Menschen haben eine positive Erwartung, bevor sie das Produkt je genutzt haben. Und wie bei spannenden Menschen gehört ein Ecken-und-Kanten-Moment dazu – eine gute Marke ist nie nur lieb, sie hat immer etwas, an dem man sich humorvoll reiben kann.
  • Selbstironie funktioniert nur mit Freiheit – und Eskalationsstufen Der Mut der BVG hat System: Social Media bekommt viel Freiraum, das Marketing gibt fast alles frei. Erst wenn Posts politisch werden oder laufende Prozesse gefährden könnten, wird die Unternehmenskommunikation reingeholt. Die eigentliche Leistung liegt darin, diese Freiheit auch dann nicht zurückzunehmen, wenn man „jedes Jahr schlauer wird“.
  • Warum die Bahn scheiterte, wo die BVG funktioniert Moritz' Einordnung der Anke-Engelke-Kampagne überrascht: Das Geldargument hält er für vorgeschoben. Entscheidender waren die gesunkene Toleranz gegenüber der Bahn und eine Social-Media-Öffentlichkeit, in der Empörung heute ganz anders hochkocht als vor zehn Jahren. Seine These: Die Kampagne war vielleicht schlicht nicht überzeichnet genug, um als Satire durchzugehen.
  • Haltung ist mehr als ein buntes Logo Regenbogenkiez, CSD, Inklusionsbus – nach außen sichtbar, aber die eigentliche Arbeit passiert intern: ein Regenbogennetzwerk, Infostände auf den Betriebshöfen, Aufklärungsarbeit als „Ackertour“ quer durch 16.500 Beschäftigte, die einen echten Querschnitt Berlins abbilden. Haltung, die nur nach außen kommuniziert wird, bleibt Symbolpolitik.
  • Politische Anfragen als neues Lähmungsinstrument Direkte Einflussnahme der Politik auf die BVG-Kommunikation gibt es nicht – wohl aber eine wachsende Zahl kritischer Anfragen aus dem Abgeordnetenhaus, die Engagement für Diversität ausbremsen sollen. Als Landesunternehmen muss die BVG antworten, mit Fristen und Offenlegungspflichten. Zeit und Energie werden so zum politischen Druckmittel.
  • Kommunizieren, wenn's schiefläuft Ein geplatzter Straßenbahn-Launch mit bereits geladener Politik und Presse lässt sich nicht in ein „leckeres Bonbon“ drehen. Moritz' Ansatz: kurz halten und ehrlich begründen – und beim Nachholtermin trotzdem feiern, weil neue Fahrzeuge für eine Stadt kein Alltagsereignis sind. Bei Tarifrunden gilt dieselbe Ehrlichkeit: Die BVG streikt nicht, sie wird bestreikt.
  • KI ja, aber „human in the lead“ Auf Max' Herzensthema angesprochen, überrascht Moritz' Antwort: „Noch nicht genug“, sagt er über den KI-Einsatz der BVG. Konkret meint er Redigieren, Recherche und das Durchsuchen jahrzehntealter Pressemitteilungen für konsistente Wortwahl. Die Grenze zieht er klar: KI unterstützt, den Lead behalten Menschen.

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Diese Episode ist für Kommunikationsprofis, PR-Verantwortliche, Brand Leads, C-Level und Public-Affairs-Verantwortliche, die …

  1. verstehen wollen, wie Humor als Markenstrategie über Jahre funktioniert, ohne sich abzunutzen – und wo seine Grenzen liegen.
  2. sich fragen, wie viel Freigabe-Freiheit mutige Kommunikation braucht und wie man Eskalationsstufen baut, die schützen statt lähmen.
  3. wissen möchten, wie viel politische Haltung eine Marke zeigen kann – gerade als öffentliches oder stark reguliertes Unternehmen.
  4. Kommunikation in Konzernen oder Landesunternehmen verantworten und den Spagat zwischen politischen Stakeholdern und Öffentlichkeit kennen.
  5. lernen wollen, wie man Pannen, geplatzte Termine und Streiks kommuniziert, ohne Glaubwürdigkeit zu verlieren.
  6. interne Kommunikation als Hebel für Kultur und Haltung nutzen wollen, vom Intranet bis zum Regenbogennetzwerk.

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