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Mary Abdelaziz-Ditzow (Finanzfluss): Mythos Neutralität, Vertrauen als Währung & KI im Newsroom

narrative now by getpress

Neutralität steht weder im Medienstaatsvertrag noch im Pressekodex. Was wird möglich, wenn Journalismus aufhört, etwas zu versprechen, das er nie leisten konnte?

In dieser narrative now Episode spricht Host Max mit Mary Abdelaziz-Ditzow, Chefredakteurin Wirtschaft & News bei Finanzfluss und Autorin von „Behind the News“. Ihr Weg führt vom Volontariat beim Handelsblatt über den Aufbau von Handelsblatt Today und die Leitung des Bereichs Wirtschaft und Innovation bei ntv zu Finanzfluss, wo sie seit 2025 eine eigene Redaktion aufbaut und den Podcast „Im Loop“ hostet. Ihre Medienkritik schreibt sie von innen: als preisgekrönte Wirtschaftsjournalistin, die an guten Journalismus glaubt und genau deshalb ehrlich auf ihre Branche schaut.

Im Zentrum steht eine Beobachtung, die viele kennen: Bei Themen wie Corona, dem Ukrainekrieg oder Nahost bekommt temporär ein Narrativ die große Bühne, quer durch eine eigentlich diverse Medienlandschaft. Mary erklärt die Mechanik dahinter ohne jeden Verschwörungston. Nachrichtenagenturen spielen tausende Meldungen mit identischem Wording an tausende Redaktionen, dazu kommen blinde Flecken, Selbstzensur aus Angst vor Labels wie „Antisemit“ oder „Putinfreund“ und eine Sozialisierung, die Redaktionen weniger divers macht als die Gesellschaft, über die sie berichten. Die Folgen lassen sich messen: Studien wie der Reuters Report oder die Mainzer Langzeitstudie zeigen seit Jahren sinkendes Medienvertrauen – besonders dort, wo öffentliche und veröffentlichte Meinung auseinanderdriften.

Die Folge bleibt dabei konstruktiv. Mary skizziert mit dem Binnenpluralismus ein Modell, in dem Redaktionen Multiperspektivität trainieren, und zeigt am Briefing Generator ihrer eigenen Redaktion, wie KI journalistische Arbeit schneller macht, während die Einordnung bei Menschen bleibt. Und Max hält am Ende eine optimistische These dagegen: In einer Welt voller synthetischer Inhalte wird verifizierter, menschlich gemachter Journalismus wieder wertvoller. Vertrauen wird zur Währung, und wer sie ernst nimmt, hat einen ziemlich guten Business Case.

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auf:

In a nutshell

  • Neutralität ist ein Mythos Marys meistzitierter Punkt: Das Wort Neutralität steht weder im Medienstaatsvertrag noch im Pressekodex. Journalismus wählt nach Nachrichtenwerten aus und kann die Welt nie in Gänze abbilden. Der ehrliche Anspruch heißt Objektivität: differenziert und multiperspektivisch.
  • Gleiches Narrativ, kein Komplott Dass temporär ein Narrativ die große Bühne bekommt, liegt an einem Zusammenspiel aus Nachrichtenagenturen mit identischem Wording, blinden Flecken, Selbstzensur aus Angst vor Labeling und der Sozialisierung in Redaktionen. Niemand steuert das zentral. Genau das macht es so hartnäckig.
  • Öffentliche vs. veröffentlichte Meinung Für Corona und den Ukrainekrieg belegen Studien einen Dissens zwischen dem, was Menschen denken, und dem, was veröffentlicht wird. Marys Warnung: Wer sich nicht abgeholt fühlt, verliert Vertrauen und wandert ab, im Zweifel in Extreme.
  • Binnenpluralismus als konstruktiver Weg Marys Wunschmodell: Redaktionen so divers aufstellen und schulen, dass verschiedene Sichtweisen im eigenen Haus abgebildet werden. Multiperspektivität ist für sie kein Talent, das man mitbringen muss. Man kann sie trainieren.
  • KI scannt die Welt, Menschen ordnen ein Marys Redaktion hat einen Briefing Generator gebaut, der jeden Morgen hunderte Medien aus einem Großteil aller Länder auswertet, kuratiert über RSS Feeds und eine eigene Quellen-Analyse. Die Einordnung bleibt Aufgabe der Redakteur*innen: human in the lead.
  • Menschen vertrauen Menschen Ein multiperspektivisches Nachrichtenprogramm per KI-Prompt hat Mary selbst getestet, mit mäßigem Ergebnis. Ihre Überzeugung: Das Vertrauen in Personal Brands und Gesichter wiegt gerade schwerer als jeder Aggregator.
  • Der Business Case Journalismus wächst Max’ These zum Schluss: In einer Welt voller Infinity Noise steigt der Wert verifizierter Quellen wieder. Entweder füllen etablierte Medienmarken diese Lücke, indem sie sich ehrlich hinterfragen, oder neue journalistische Player wie Finanzfluss tun es.

this is for you

Diese Episode ist für Kommunikationsprofis, PR-Verantwortliche, Brand Leads, Journalist*innen, C-Level und Gründer*innen, die …

  • verstehen wollen, warum Vertrauen zur wichtigsten Währung für Medien und Marken wird und wie man es konkret aufbaut.
  • wissen möchten, wie Narrative entstehen und welche Mechanismen entscheiden, welches Thema die große Bühne bekommt.
  • Framing als Handwerk verstehen wollen, um selbst verantwortungsvoller zu kommunizieren.
  • sich fragen, wie KI Redaktionsarbeit (und Comms Arbeit) schneller macht, ohne die menschliche Einordnung zu ersetzen.
  • Personal Brands als Vertrauensanker begreifen wollen, im Journalismus wie in der Unternehmenskommunikation.
  • wissen wollen, warum menschlich gemachter Journalismus in Zeiten synthetischer Inhalte wieder an Wert gewinnt.

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